Stil Fragen…für die Festtage besonders aktuell

So viel Besteck möchte man nicht im Abwasch

An der Hotelfachschule beinhaltete der Servicekurs auch Getränkegläserkunde. Einerseits war das zum Verzweifeln, andererseits schien es irgendwie logisch, dass man den Wein, die Liköre und die Spirituosen im richtigen Glas serviert.

Trinkgläser Soriment

Trinkgläser Soriment

Das passende Glas für den edlen Burgunder wie für den weltberühmten Bordeaux. Dann das Gobelet für den Chasselas aus dem Lavaux und das Elsässerweinglas für den Gewürztraminer. Die Champagnerflûte oder der Schaumweinkelch, das Südweinglas für Porto, Malaga und Marsala. Dann die unzähligen Gläser für die Spirituosen. Vom bauchigen Cognacschwenker bis hin zum gestylten Grappa Glas. Nicht zu vergessen den berühmten Whisky Tumbler oder die diversen Cocktailgläser. So könnte ich Ihnen noch weitere Spezialgläser aufzählen.

Trinkgläser Soriment

Allerdings kann man mit derlei Anschaffungen das Haushaltsbudget arg strapazieren. Auch bei uns gehörte es damals bei den sehr häufigen Einladungen zum guten Ton, die Getränke im dazu passenden Outfit zu servieren. Da brachten wir es doch häufig bei insgesamt acht Gläsern pro Gast bis auf 60 Gläser total. Bei jedem Markenwechsel beim Wein wurde wieder das Glas angepasst, ja, und diese mussten dann auch alle wieder gewaschen werden. Und Kristallgläser gehören definitiv nicht in die Maschine.

Edel Besteck Koffer

Selbst in den Restaurants (ausgenommen in den gehobenen Gourmettempeln) sind heute jedoch, vor allem für die Weine, exklusive Universalgläser im Einsatz. So auch bei uns zu Hause. Champagnerglas, Weissweinglas, Rotwein-Universalglas, Wasserglas. Punkt.

Tipp: Universale Gläser

Edelbesteck Set

Man kann sich also für die Weine auf vier bis fünf Gläser beschränken und muss nicht zehn verschiedene Gläser kaufen, um einen optimalen Weingenuss erleben zu können. Für den Rotwein das grössere (etwas bauchige) Glas und für den Weisswein das kleinere.

Edles Gold Besteck

Trinkgläser Soriment

Auch bei den Likör- und Spirituosengläsern gibt es «Universale». Für alle gilt: Die optimale Qualität gehört ins Glas. Noch ein letzter Tipp für zu Hause, um den Aufwand zu minimieren. Sie planen eine kulinarische Italien-, Spanien- oder Frankreich-Reise. Möchten dabei vier Weine vorstellen. Die erste Flasche ist ausgetrunken. Nun dürfen Sie die neuen Weine in den vorherigen Gläsern servieren. Denn diese sind ja «angeweint» (aviné).

Trinkgläser Soriment

Diese Idee gilt selbstverständlich nur für zu Hause und unter Freunden. In der Beiz hat man ja (noch) für den Mehraufwand beim Auswechseln der Gläser die Mitarbeiter. Letztendlich zählt die Gastfreundschaft und nicht die Anzahl der Gläser. So gebe ich Ihnen Recht, dass das Haushaltsbudget nicht mit unnötigen Luxusanschaffungen überstrapaziert werden sollte. Auch nicht mit Besteck. Weniger ist mehr, und auch der aufwendige Abwasch wird wesentlich erleichtert.

Und wie steht es mit den Wunschkonzerten bei Einladungen?

Besteck Garnitur

Ein brandaktuelles Thema welches die Einladenden sehr nerven kann. Was nicht unbedingt zur Vorfreude eines gemeinsamen Essens beiträgt. Also packen wir das Thema an. Als meine Frau und ich nach 30 Jahren den Beruf als Gastgeber und unsere Karriere als Wirtepaar endgültig aufgaben, war unser Freundeskreis logischerweise riesengross. Und wir hatten die Zeit, ab und zu private Einladungen zu gestalten. Die Erwartungen waren dementsprechend hoch und der damit verbundene Aufwand war es ebenso. Zum Teil kannten wir die kulinarischen Vorlieben der Gäste und kochten mit viel Liebe unsere Vier- bis Fünf-Gänge-Menüs.

Es gab, was es gab. Allerdings liessen wir uns kaum auf kulinarische Eskapaden ein und servierten Innereien oder Meeresfrüchte nur für die Gäste, die diese Spezialitäten über alles liebten. Einmal, ich erinnere mich noch gut, gab es als Vorspeise ein Carpaccio vom Kalbszünglein, nach dem Rezept von Elfie Casty, beliebte Kochbuchautorin in den 1980ern und 90ern. Bei einem Gast kam das Gericht aber gar nicht gut an – Zunge, um Himmels willen!

Und einmal wiederum servierten wir ein Stroganoff mit Lammfleisch – der Gast, der sonst kein «Schöfig’s» ass, war in diesem Fall begeistert.

Vegetarische oder vegane Vorlieben waren noch kaum ein Thema. Allergien ebenso wenig. Und heute? Ist es salonfähig geworden, nicht mehr alles essen zu wollen oder zu können. Doch wie gehen Gast und Gastgeber am besten damit um?

Das Menü besprechen

Wir waren kürzlich bei einer begnadeten Kochfrau eingeladen. Gleich beim Apéro

schwärmte sie vom vorbereiteten Menü. Hausgemachte Pfifferling-Terrine, klare Kraftbrühe mit Steinpilzen, Hirsch-Carpaccio mit Feldnüsslisalat und dann Rehrücken mit Beilagen vom Wild.

Meine Frau tat kund, kein rohes Fleisch zu essen, mit der Bitte, auch den Rehrücken nicht zu saignant serviert zu bekommen. Kein Problem: Es gab nur Nüsslisalat und wunderbar à point gebratenes Fleisch.

So mein Rat:

Sie dürfen sich vorher erkundigen, was es zu essen gibt. Sie dürfen sagen, was Sie gar nicht mögen. Bei besonders empfindlichen Gästen kann das Menü diesen auch beizeiten (wegen des Einkaufens) zur «Vernehmlassung» geschickt werden. Dann ist es den Gästen möglich, höflich zu intervenieren, sollte etwas gar nicht gefallen. Etwas komplizierter wird es, wenn Allergien im Spiel sind. Hier das Menü vorher ganz genau absprechen.

Mein Fazit lautet:

Letztendlich geht es bei Privateinladungen um ein gemütliches Zusammensein. Da ist weniger oft mehr. Gschwellti und eine Käseplatte munden vielen Menschen wie auch Raclette oder Fondue. Oder eine feine Suppe. Oder einen Gemüsekuchen. Großmutters Küche kommt in der Regel auch gut an. Seien wir ehrlich. Mehrheitlich kennt man seine Gäste. Unter kulinarisch Gleichgesinnten beispielsweise kann man auch getrost Vegetarisches oder Veganes für alle auftischen. Bon Appetit und viel Spass beim Gläser spülen.

Kleine Fotodiashow zur Kolumne:

fotodiashows.wordpress.com/2021/12/04/stil-fragenfur-die-festtage-besonders-aktuell-weiss-herbert-huber/

Fotos: www.pixelio.de

Homepages der andern Kolumnisten: www.noemiefelber.ch

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