Kulinarische (Alb) Träume und frohes Erwachen

Frische bunte Gemüseplatte

Ich träume. Von frischem Gemüse aus dem Garten. Von „lindem“ Gemüse mit frischer Butter dran. Nicht vom geschmacklosen Schmarren auf dem Teller. Broccoli und womöglich noch Blumenkohl direkt aus der Tiefkühltruhe und im Dämpfer lieblos regeneriert.

Der Dämpfer kann nämlich nicht kochen. Alles kommt so raus, wie es reinkam. Ich träume von Gemüse, mit viel Liebe gepflegt und serviert wie Bachmann Pralinés. Ich träume von einem saftigen Ratatouille und einem Kürbisragoût. Und plötzlich verfolgen mich wieder „mini Zucchini“ aus der Gemüsezucht und die grausamen Keniaböhnchen, fünf Stück, zwei Zentimeter lang. Der Alptraum geht weiter mit Kohlrabi ohne Geschmack und Spargel mitten im Herbst.

Hausgemachte Ravioli mit Wiedikerlifuellung

Wer erwartet, dass man Ravioli mit geschmortem Rindsbraten füllt, der ist ein Volldubel, ein Vorgestriger, ein Kochantiquar. Nein, heute füllen doch echte Küchendynamiker ihre „dickteigigen“ Ravioli mit Randen, Tintenfisch und mit Kartoffeln. Wenn ein hauchdünner Teig darum wäre, ginge das noch. Aber wenn das so weitergeht, kommt wohl bald Chriesibrägel oder Mettwurst in die Ravioli. Ja, was ich schon einmal geschrieben habe trifft leider Gottes zu: Wir haben eine Generation von Köchen zu Dekorateuren verbildet – dabei haben viele von Ihnen das Kochen verlernt.

Üble Träume

Crevetten

…also für Gäste, die nichts vom Essen verstehen. Nur geiles Design zählt und Dekorationen, die vom Geschmack ablenken. Oder wie ist es mit den vielen Fischen aus der Zucht? Den Crevetten aus den umfunktionierten Reisfeldern Vietnams. Weil Crevetten züchten mehr Batzelis geben soll? Überall das gleiche Lamm aus Neuseeland oder Australien. Dabei gäbe es doch das „Pré salé“ aus der Normandie oder aus Schottland. Und wie ist es mit den Wassersäulis aus der Schweineindustrie, den Chüngelirückenfilets von Chüngeln die gehalten wurden wie, wie eben? Und dann das spottbillige Hühnerfleisch, welches um den halben Erdball gekarrt wird und bei uns mit einer saftigen Marge verhökert wird.

Cordon bleu

Cordonblöös werden so dünn geklopft und mit Industrieschinken gefüllt, und das Gelbe, das rausquillt, dem sagen die Macher Käse.

Nein ich mag das alles nicht mehr. Auf die Gefahr hin, endgültig als kulinarischer Simpel abgestempelt zu werden. So muss ich einfach sagen:

 

Ich mag nur noch das richtig Gekochte.

Schmorbraten mit Beilagen

Das Ursprüngliche. Mustermessen auf dem Teller sind für mich ein Grund, vor lauter Hunger die nächste Beiz mit einem deftigen Wurstsalat aufzusuchen, um den Hunger zu stillen. Genug gelästert.

Ich liebe einfach das differenziert Abgeschmeckte. Das frisch Gebratene. Den sanft pochierten Frischfisch. Und den weich „gesüderleten“ Schmorbraten. Weischwieguet? Alles ohne Zusatzstoffe. Die merkt mein empfindlicher Magen nämlich morgens im Bett. Wenn etwas sauer hochkommt und ich aus meinen bösen Träumen erwache. Dann frage ich mich wieder hellwach?

Lammfilets

Gibt es noch die Köche, die so fein und geil und frisch und fröhlich kochen können? Ich glaube schon – man muss sie nur wieder suchen!

 

 

Fotos: www.pixelio.de

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