Thrakien – im Tal der Könige, ein Reisebericht

Grandioses Amphitheater in Plovdiv

Bulgarien Duftende Rosen, imposante Kathedralen und römische Ruinen: In Bulgarien lässt es sich eintauchen in die 8000-jährige Geschichte und die Zeit der Thraker. Kulturell beeindruckend und auch kulinarisch spannend mit ausgezeichnetem Wein, Spanferkel und gebackenen Schweinsohren.

Sofa, die aufstrebende Hauptstadt Bulgariens

Mit Ross und Wagen umweltfreundlich unterwegs

Der Beitritt zur EU hat viel Geld in die staatlichen Kassen gespült. Der Lebensstandard in Sofia ist relativ hoch, was auch für die Preise in Hotels und Beizen gilt. Beeindruckt hat uns der Residence Club (mit Tenue Vorschrift) und einem auf 2-Sterne-Michelin-Niveau präsentierten 5-Gänge-Menu. Die Gastgeber wollten unserer Reisegruppe zeigen, dass hochstehende Kulinarik auch in Sofia zelebriert wird.

Reiseleiter Antonio mit dem CEO von Katarzyna

Hektisches Treiben dann anderntags. Alte quietschende Trams haben Vortritt. Fernab vom Gewühl entdeckten wir Cafés im Schatten hoher Bäume, Schachspieler in Parks, Shisha rauchende  Menschen, Museumshallen und die grösste orthodoxe Kirche des Balkans: Die Aleksandar Nevski Kathedrale mit der schönsten Ikonensammlung Bulgariens.
So ist Sofia für Städtereisende durchauseinen mehrtägigen Aufenthalt wert.

Unser nächstes Ziel ist Thrakien

Beeindruckende Kirchen

Die eine Völkergruppe der Antike. Auf Kopfsteinpflastern erkunden wir Plovdiv, die zweitgrösste Stadt des Landes. Sie gilt als Tor zu Thrakien und «bulgarisches Rom», da sie wie Rom auf Hügeln erbaut wurde. Wer das antike Theater, Grabstätten, und die drittälteste Moschee des Balkans besucht, kann in die über 8000-jährige Geschichte Bulgariens eintauchen.

 

Sauberkeit in den wundervollen Pärken

Prächtige Bürgerhäuser zeugen von der bulgarischen Renaissance. Die Via Diagonalis, seit der Antike Kreuzweg zwischen Westeuropa und dem Nahen Osten, verläuft mitten durch die Stadt. Neue Geschäfte liegen neben Ausgrabungen der Antike. Plovdiv sei die schönste Stadt Thrakiens, schrieb schon der griechische Dichter Lukan im 2. Jahrhundert, damals als Satiriker bekannt,  mit Plovdiv meinte er es aber ernst. Zugleich ist Plovdiv eine moderne Universitätsstadt mit fünf
Hochschulen und grünen Pärken die sich herausputzt hat, um 2019 Kulturhauptstadt Europas zu werden.

Einer der grössten Rosenöl-Exporteure der Welt

Rosenschnaps Brenn Anlage von früher

Unweit der Stadt Kazanlak erstreckt sich gut 90 Kilometer lang, zwischen dem Balkan und dem Gebirge Sredna, von West nach Ost, das Tal der Rosen.
Nun wir waren etwas zu früh, um blühende Rosen zu bewundern. Die beste Saison ist im Juni und Juli. Zur Erntezeit schwärmen die Menschen in Scharen frühmorgens zu den Rosen, wenn die
Sonne über den Horizont wandert. Erst in Schürzen gepflückt und dann in Säcken gesammelt, kommen die noch nicht geöffneten Blüten in die Destillationsapparate. Während dreier Stunden werden ihnen bei 120 Grad das Wasser und Öle entzogen.

Auch Störche fühlen sich wohl

Immer noch gehört Bulgarien zu den grössten Rosenöl-Exporteuren der Welt. Für eineinhalb Tonnen reines Rosenöl braucht es fünf Millionen Kilo Rosenblüten. Preis pro Liter gegen 7000 Euro. In der Nähe des Tals der Rosen, etwas südlicher, entdecken wir zahlreiche Grabhügel.

 

 

Die Thrakischen Könige

Thrakischer Königsschmuck

Es sind die Grabmäler der thrakischen Könige. Mit zum Teil bestens im Original erhaltenen Malereien und Fresken. Da die Konservierung ein konstantes Raumklima erfordert, und die Körperfeuchtigkeit der Besucher die Bilder über kurz oder lang in Mitleidenschaft zieht, dürfen Touristen nur einzeln und zu einem höheren Preis in die Geschichte hinuntersteigen.

 

Deftiger gehts nimmmer

Wir bewunderten deshalb Replikate, die nicht weniger beeindruckend sind. Eine Vielzahl des bei den Ausgrabungen gefundenen Goldschmuckes wie Ringe, Kronen, Köpfe und Totenbeigaben sind im Original in den Museen ausgestellt. Wir fahren weiter Richtung Svilengrad auf holprigen Strassen, vorbei an verlassenen Dörfern. Ab und zu hält eine Schafherde den spärlichen Verkehr auf.

 

Gutes Klima für den Weinbau

Weingut Katarzyna

Der Weinbau Bulgariens geht bis ins achte Jahrhundert vor Christus zurück, als Bulgarien zum Reich der Thraker gehörte. Die Römer bevorzugten Weine aus dieser Gegend und im Mittelalter bauten vor allem die Mönche Weine an. Während der türkischen Herrschaft(1396–1878) ging die Weinproduktion
aus religiösen Gründen zu Gunsten der Tafeltraube zurück. Nach der Vernichtung eines grossen Teils der Reben durch die Reblaus hielten sich die Winzer beim Wiederaufbau an westeuropäische Vorbilder. Ein Vorzeige-Weingut ist heute Katarzyna.

Die Oenologen von Katarzyna mit dem Autor

Es liegt im Süden bei Svilengrad und Mezek, nahe der Grenze zu Griechenland. Das Klima für den Weinbau könnte idealer nicht sein: Die Sommer sind heiss und trocken, die Winter mild und regnerisch. Die Angestellten arbeiten von Hand. Tsevetlina Nikolova ist CEO von Katarzyna und Herrin über 700 Hektaren. 200 000 Tonnen Trauben werden von den Zwillingsbrüdern Svilen und Ivan gekeltert. Im Fasskeller erklingt leise klassische Musik.  «Die Schwingungen erhöhen die Qualität der Weine», sagen die Önologen. Nicht nur Weine haben wir verkostet.

Der Eintopf Sach

Bei Festen kommt Spanferkel auf den Tisch. Bevor gegessen wird, trinkt man einen Rakja. Fröhlich singende und tanzende Menschen bevölkern die Lokale. Armut in Bulgarien? «Das Essen und Trinken kann uns niemand nehmen», sagt ein Gast. «Manchmal feiern wir die Armut sogar ein bisschen.» Die Vorspeisen kommen zusammen auf den Tisch: Salate, geräucherte Auberginen, gefüllte Peperoni. Dann Hackfleischbällchen sowie Poulet und Rind, auf dem offenen Feuer an Spiessen gebraten. Der Eintopf «Sach» ist perfekt geschmort. Paprikaschoten, Lauch, Petersilie, Zwiebeln und Minze geben den Gerichten Geschmack und Farbe. In einer Landbeiz wagen wir uns an Kuttelsuppe, gebackene Schweinsohren und panierte Schweinszunge. Da war nach dem Essen ausnahmsweise noch ein Rakja gefragt.

Vieles mehr gäbe es noch zu entdecken

Sterne Kulinarik

Zentralbulgarien mit den Nationalpärken, Höhlen und Klöstern. Das Balkangebirge und die Donaulandschaften. Und zum Schluss Badeferien am Schwarzen Meer in Varna oder Burgas. Auf ein nächstes Mal!

Diese Reportage ist im Rahmen einer Pressereise entstanden.
Eingeladen hatten Antonio Mastrogiovanni (Reiseleitung; www.am-import.ch), Plovdiv Tourismus, Katarzyna Estate.

Gut zu wissen

Bulgarien ist seit 2007 EU-Mitglied und hat rund 8 Millionen Einwohner.
Währung: Man zahlt in Lew; 100 Franken sind 180 Lew.

Preise für Essen und Trinken sind sehr günstig.
Sprache: Das bulgarische Alphabet ist kyrillisch. Verständigungssprache ist Englisch. Viele Bulgaren sprechen Englisch oder Deutsch.
Flüge: Ab Zürich oder Genf. Die Flugzeit beträgt zwei Stunden.
Strassen: Die Autobahn in den Süden (Sofia–Plovdiv–Kasanlak–Svilingrad) ist in
gutem Zustand. Vignette erforderlich.
Hotels: Suite Hotel Sofia und Grand Hotel Sofia.

Plovdiv: 8 1⁄2 Art Guest House.
Kasanlak: Hotel Palas. Svilingrad: Hotel Parish.
Restaurants: Sofia: Lazy Life & Food mit Shisha-Raucherplätzen.

Plovdiv: Stastlivzi Pod Tepeto («Glückseligkeit unter der Mauer»),

Dolce Fellini Pasticceria & Gelateria, Porkys.

Kazanlak: Magnolia.

Svilingrad: Mosta (direkt am Fluss Mariza).

Der Fluss Mariza

Nachdem der polnische Investor Christoph Trylinski zu Beginn der Nullerjahre seine weltbekannte Wodkamarke Belvedere mit Gewinn verkaufen konnte, machte er sich an die Verwirklichung seines Traums vom eigenen Weingut. Die Suche nach Rebberg Land führte ihn durch halb Europa. Angetrieben von einem hartnäckigen Pioniergeist, wollte er sich in einem unbeschriebenen Gebiet niederlassen, das bezüglich der Qualität seines Bodens wie der klimatischen Verhältnisse alle Voraussetzungen für die Erzeugung von hochstehenden Weinen bot.

Auf der Reise in den Süden…

Trylinski wurde im Süden Bulgariens, im alten Thrakien, fündig: Nahe der griechischen Grenze, am Fusse des Rhodopi-Gebirges fand er sanft gewelltes Land, dessen Böden aufgrund seiner Lage im Niemandsland zwischen Ost- und Westblock unverbraucht, arm und phosphatreich waren. Dazu kam ein favorables Klima mit milden, regnerischen Wintern, heissen, trockenen Sommern und einer Sonnenscheindauer von 3000 Stunden pro Jahr. Trylinski taufte das Weingut nach seiner Tochter «Katarzyna». Über die Jahre wurden ab 2004 700 Hektar Land mit Reben bepflanzt. Die Anbauweise ist konventionell, hundert Hektar werden biologisch bewirtschaftet. Vierzig Prozent ist bewässert, geerntet wird von Hand. Wer das sehr umfangreiche Sortenverzeichnis liest – Chardonnay, Sauvignon Blanc, Sémillon, Viognier, Muscat, Traminer bei den Weissen; Merlot, Cabernet Sauvignon, Syrah Cabernet Franc, Malbec, Tempranillo und Carmenere bei den Roten –, ahnt, welchen Weintypus Katarzyna anstrebt: ausdrucksstarke, mehrheitsfähige Gewächse im internationalen Stil. Verkostet man danach die Weine, erfolgt die Bestätigung: Katarzyna alimentiert uns mit einer Fülle von fruchtintensiven, konzentrierten Weinen, reinsortig oder in Assemblagen ausgebaut – tiefgründiger die Roten, etwas technisch anmutend zuweilen die Weissen. Die Qualitätspyramide führt vom tadellosen Tischwein bis zum exklusiven Premium-Gewächs. Die Preiskalkulation ist ehrgeizig. Ausstattung, Weinnamen und Marketing sind clever und kreativ. Einzig ein Wein tanzt aus der Reihe, der rote Mavrud, ein charaktervoller, eigenständiger, angenehm rustikaler Tropfen aus der gleichnamigen autochthonen bulgarischen Sorte.

Christoph Trylinski ist es in relativ kurzer Zeit gelungen, Katarzyna an der Spitze von Bulgariens Weinen zu etablieren. Önologische Unterstützung erhielt er zu Beginn aus Frankreich. Michel Rolland, der weltbekannte, schillernde Weinberater, war vor Ort. Danach kamen seine Jünger. Doch seit 2010 ist die Produktion in bulgarischer Hand. Die beiden 33-jährigen Zwillinge Svilen und Ivan Kisiov wirbeln mit Geschick und Enthusiasmus im weitläufigen Gär- und Ausbaukeller der 2006 erbauten State-of-the-Art- Kellerei. Svilen schnupperte vorher in Mendoza/Argentinien, Ivan im Napa Valley.

Die zwei Kisiovs erklären ihre Philosophie mit einer koketten Mischung von Schüchternheit und Selbstbewusstsein. Sie orientiert sich an den Massstäben, nach denen auf den renommierten Betrieben heute weltweit gearbeitet wird: Ernte zum akkurat richtigen Reifezeitpunkt, extrem pingelige Traubenselektion vor dem Kelterprozess, Kaltmazeration, Vergärung je nach Sorte und erwünschtem Wein Stil in modernsten Stahltanks oder Barriques, manuelle Behandlung der Maische bei den höherklassigen Roten, Ausbau in bis zu fünfzig Prozent neuer französischer Eiche und was alles der Katechismus des modernen Weins sonst noch fordert – inklusive Bewegung des Mosts mittels Schwerkraft und langer Flaschenreifung in unterirdischen Tunnels bei konstanter Temperatur. Und, haben die beiden Geschmackspräferenzen? Svilen antwortet nach kurzem Nachdenken: «Mein Bruder sucht eher die Eleganz im Wein. Ich dagegen setze auf die Struktur.» Sind sie sich manchmal auch uneinig? Die eineiigen Zwillingen schauen sich zunächst ratlos an, zucken mit den Schultern, schweigen lange bis Svilen sagt: «Bei der Festlegung des Erntebeginns streiten wir uns manchmal. Wir gehen frühmorgens gemeinsam in die Rebberge. Ich will loslegen. Ivan hält dagegen und will noch warten. Am Abend kehren wir zurück und kommen überein anderntags zu starten.» Harmonie pur also, die sich mit Genuss in den Weinen von Katarzyna nachspüren lässt.

Kleine Fotodiasow der Reise von Herbert Huber:

fotogalerien.wordpress.com/2019/09/24/thrakien-im-tal-der-koenige-ein-reisebericht-von-king-herbert-huber/

Text und Fotos: www.herberthuber.ch

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www.gabrielabucher.ch    www.leonardwuest.ch Paul Ott:www.literatur.li

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